Stadt des guten Tones

 

Glas- und Keramikmuseum in Großalmerode präsentiert sich beim „Blauen Sonntag“

Großalmerode. Der fünfte „Blaue Sonntag“ der Industriekultur gewährt Einblicke an 40 Standorten in Nordhessen.

Auch das Glas- und Keramikmuseum in Großalmerode präsentiert sich im Rahmen des Thementages.

Großalmerode blickt auf eine 800-jährige Tradition in der Ton- und Glasverarbeitung zurück. Reiche Vorkommen an qualitätsvollem Ton, Sand und Wald begünstigten hier im Mittelalter die Ansiedlung von Glasmachern. Die über die Jahrhunderte stetig gewachsene Palette gefertigter Tonwaren reicht von Haushaltskeramik, Dachziegeln, Apothekengefäßen, Schneiderkreide und salzglasierten Tonmurmeln, einem einstigen Exportschlager, bis zu hochspezialisierten Feuerfeststeinen und großformatigen Schmelztiegeln,die nach wie vor produziert werden. So werden die Tiegel, die einst den guten Ruf der Stadt begründeten, seit dem Mittelalter in Metallgießereien weltweit nachgefragt.

Über drei Stockwerke vermittelt das Museum einen Eindruck der großen Bandbreite verschiedener Keramik-Gewerbe vom Tonabbau bis zum Fertigprodukt. In nachgebauten Werkstatträumen wird die Herstellung von Industriekeramik veranschaulicht. Thema ist zudem die Arbeits- und Alltagswelt der Region.

 

 

 

Im 15. und 16. Jahrhundert war der Kaufunger Wald eines der wichtigsten Zentren der Glasherstellung in Deutschland. Großalmerode wurde Sitz und Versammlungsort der hessischen Gläsnerzunft. Die Ausstellung zeigt wertvolle Gläser dieser Zeit. Wissenswertes gibt es zudem zur Nieste-Hütte, die vor einigen Jahren stellvertretend für viele Glashütten im Kaufunger Wald vom Archäologischen Institut der Universität Göttingen ausgegraben wurde, erklärt die Vorsitzende des Museums Ute Harder. Schließlich sind im Museum auch Werke des Heimatmalers Heinrich Pforr, der 1970 in Hann. Münden gestorben ist, zu sehen. Die Galerie im Dachgeschoss zeigt Portraits-, Landschafts- und Interieurbilder.

Am Blauen Sonntag ist das Glas- und Keramikmuseum in Großalmerode, Kleiner Kirchrain 3, von 11 bis 17 Uhr geöffnet (bis Oktober übliche Öffnungszeit).

Um 14 Uhr wird die Ausstellung „Europa zu Gast – Gastarbeiter in der keramischen Industrie“ eröffnet.

Auf die Spuren der Industriekultur können sich Ausflügler auch bei Glashüttenwanderungen und Führungen auf dem Technisch-Historischen Lehr- und Wanderpfad Großalmerode begeben. Weitere Infos bei der Tourist-Information unter Telefon 0 56 04 / 93 35 26, Internet: www,glas-und-keramikmuseum.de

Anzeige im Göttinger Tageblatt am Freitag, 16.08.2013 von Karola Hoffmann