Geschichtsverein Großalmerode wieder auf Tour

 

Wie in den Jahren zuvor fand auch 2012 wieder eine sehr schöne Fahrt des Geschichtsvereins statt, wobei die Organisatoren immer akribisch darauf achten, dass ein enger Bezug zur Tonstadt Großalmerode besteht. Am 15.September starteten wir schon früh am Morgen mit dem komfortablen Hessen-Express vom Wilhelm-Speckplatz aus zur Glashütte Gernheim bei Petershagen, vorbei an der Porta Westfalica mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekindsberg. Die mehrstündige Fahrt über die Autobahn in den Nordosten Nordrhein-Westfalens verging wie im Flug - nicht zuletzt aufgrund des hervorragenden „Bordservice“ von Friedrich und der guten Stimmung der Teilnehmer. Vor der Glashütte Gernheim wurden wir von einer fachkundigen Führerin empfangen, die uns Interessantes über die Geschichte der Region und die Glashütten erzähle, denn in früheren Zeiten wurde an der Weser viel Glas für den Weltmarkt hergestellt. Über den Fluss exportierten die Unternehmen ihre Waren, bezogen aber auch über die Weser die benötigte Kohle für die Schmelzöfen. Inzwischen sind die Anlagen längst stillgelegt, weil der Transport zu teuer geworden war, und die Anlagen verfielen in einen Dornröschenschlaf.Die Glashütte Gernheim wurde 1812 von Bremer Kaufleuten gegründet, erreichte etwa 1820 ihre bedeutendste Stellung und wurde 1877 stillgelegt. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wurde 1998 lediglich für die Museumsbesucher die Produktion in begrenztem Umfang wieder aufgenommen.

           

Zunächst konnten wir im Ausstellungsgebäude die einzelnen Stationen der Glasherstellung in Augenschein nehmen- vom Mischen des Gemenges bis zum geschliffenen und bruchsicher verpackten Endprodukt. Besonders gefreut hat uns natürlich, dass früher die „Glashäfen“ aus Großalmerode bezogen wurden, worauf die Führerin bei ihrem Vortrag immer ausführlich hinweist. Damit war auch der enge Bezug des Ortes zu Großalmerode hergestellt. Danach konnten wir im Gernheimer Glasturm von 1826 beobachten, wie die Glasmacher mit Pfeife, Holzform und Schere aus der glühenden Glasmasse Gläser und andere Gebrauchsgegenstände herstellten und wie sie anschließend veredelt wurden. Abschießend besichtigten wir noch dievom früheren Unternehmer gebauten Reihenhäuser, sahen wie die Menschen während dieser Zeit in sehr bescheidenen Verhältnissen gewohnt haben und warfen zum Schluss noch einen Blick in die sog. Dunkelkammereines  Hauses, wo die Arbeiter nach der Nachtschicht schliefen.

Etwa auf halber Strecke zwischen Petershagen und Lage- unserem zweiten Programmpunkt - legten wir dann in Minden im sehr schönen Wirtshaus Bavaria eine längere und wohl auch verdiente Mittagspause ein. Nach einer kräftigen Stärkung ging es dann ins Ziegeleimuseum nach Lage, das man schon weit aus der Ferne sehen konnte. Den Mittelpunkt der Anlage bilden die historischen Fabrikgebäude der Ziegelei Beermann von1909. Mit steigendem Absatz wurde der Betrieb immer wieder modernisiert und zunehmend Maschinen für die Produktion eingesetzt. Somit wurden nach und nach Ziegelstreicher und Karrenschieber überflüssig; zuletzt ersetzten sogar Diesellokomotiven die Pferde. Dennoch führten der harte Konkurrenzkampf und die zur Neige gehenden Lehmvorkommen 1979 zur Stilllegung. Nach der Produktionseinstellung wurden die Anlagen restauriert und 2001 das Museum eröffnet. Auf unserem Rundgang unter Leitung eines erfahrenen Führers erfuhren wir recht viel über die Ziegelherstellung aber auch über die regionale Industrie insgesamt. Interessant waren dabei die Ausführungen über die sog. Wanderziegler aus dem Lipper Land, die jedes Frühjahr infolge fehlender Arbeitsmöglichkeiten nach Nord- und Ostdeutschland sowie ins Ruhrgebiet zogen und erst im Herbst wieder zurückkamen. Was diese Männer mitnahmen, konnten wir besichtigen -vor allem Reisekiste und Bettgestell -;zudem Fotos und Postkarten, die dieser Personenkreisan ihre Familien nach Hause geschrieben hat.Besonders interessant war im Museum die Besichtigung eines „Ringofens“, den Arbeitsplatz von Einsetzern, Zuschiebern und Auskarrern. Denn die Massenware Backstein war eine wichtige Voraussetzung für die enorme Dynamik der Industrialisierung in dieser Region.Der Ringofen besteht aus einem Oval mit mehreren Kammern in und auf denen wir waren. Hier wurdenfrüher unabhängig voneinander Feuer unterhalten, die die in der Kammer befindlichen Ziegelrohlinge brannten. Damit „wanderte“ das Feuer immer um das Oval, wobei die Belüftung für das Endprodukt eine wichtige und entscheidende Rolle spielte.Einmal im Jahr wird der Ofen sogar für einen Ziegelbrand wieder in Gang gesetzt. Nach diesem informativen Rundgang bot sich natürlich noch einmal eine Rast im modernen Museumscafé an - zudem konnten wir im angeschlossenen Shop noch etwas stöbern bis zum Aufbruch geblasen wurde. Auf schnellstem Weg ging es dann über die Autobahn wieder Richtung Kassel und zurück nach Großalmerode unter dem Motto: Unterwegs wird geguckt - Abendessen gibt‘ s zu Hause in der Almeröder Gastronomie, von der auch reichlich Gebrauch gemacht wurde.

 

An den Fahrten des Geschichtsvereins können natürlich alle Interessierte teilnehmen - nicht nur die Mitglieder des Vereins.
http://www.glas-und-keramikmuseum.de/index.php?article_id=54&clang=0&goback=34
Nach der sehr gelungenen Fahrt in diesem Jahr freuen wir uns natürlich schon riesig auf die Tour im Jahr 2013.
                                                                                                                                                                            Uwe Perlitz