Feierstunde: Zum 150. Geburtstag von Wilhelm Speck sang Juliane Luh aus Großalmerode in Begleitung von Pianist Timo Lübeck klassische Werke von Mendelssohn, Schubert und Spohr im Rathaussaal. GROSSALMERODE. Vier Tage nach Wilhelm Specks 150. Geburtstag fand am Montag im Großalmeröder Rathaussaal die Gedenkfeier zu Ehren des gebürtigen Tonstädters statt, der als Schriftsteller, Dichter und Gefängnisseelsorger in die Geschichte eingegangen ist. Den Festvortrag hielt Karl Waldeck, Direktor der Evangelischen Akademie Hofgeismar, der sich wie kaum ein anderer mit der Geschichte des Ehrenbürgers von Großalmerode beschäftigt hat. Die Tonstädter zeigten großes Interesse an ihrem bekannt gewordenen Sohn, denn zur Feierstunde anlässlich seines 150. Geburtstages begrüßten Ute Harder vom Geschichtsverein und Daniela Ricci von der Kulturgemeinschaft die Gäste in einem vollen Saal. Für Unterhaltung sorgten Juliane Luh und Timo Lübeck mit klassischer Musik. Doch leider streikte die Technik im Rathaussaal ausgerech net in dem Moment, als Heribert Pohlner gegen Ende der Feierstunde aus dem „Joggeli“, einem der bekanntesten Werke Specks, lesen wollte. So blieb es allein beim Vorwort aus dem Joggeli, das Pohlner im ersten Teil der Veranstaltung zum Besten gab. Im Jahr 1921 hatten die Großalmeröder Wilhelm Speck an seinem 60. Geburtstag zum Ehrenbürger gemacht. Das war gerade noch rechtzeitig. Vier Jahre später starb der Schriftsteller. Zur Ernennung Specks war Bürgermeister Wilhelm Künnecke seinerzeit verhindert. Doch er ließ sich vertreten und hatte zur Überreichung der Ehrenbürgerurkunde Direktor Ascherfeld und den damaligen Stadtverordnetenvorsteher Wachsmuth nach Kassel geschickt. Das verriet das heutige Großalmeröder Stadtoberhaupt Andreas Nickel in seiner Begrüßung zur Feierstunde. Ob es sich bei Wilhelm Speck um ein nordhessisches Ereignis handelt, beantwortete Festredner Karl Waldeck eingangs mit einem eindeutigen „Jein“. Die Erklärung liegt auf der Hand: Speck wurde sehr wohl in der Tonstadt geboren, wuchs dort auf und ging die ersten Jahre auch in Großalmerode zur Schule. Als er zehn Jahre alt war, zogen die Eltern nach Kassel. Nach dem Abitur begann er mit 19 Jahren unter anderem Theologie in Marburg zu studieren. Die Ordination erfolgte wohl noch 1886 im Kasseler Stadtteil Kirchditmold. Doch schon ein Jahr später verabschiedete er sich vorerst aus Nordhessen. 1887 wechselte Speck als Gefängnisseelsorger nach Pommern. Da in den Folgejahren fernab der nordhessischen Heimat auch seine Werke entstanden, hatte sich Waldeck in seiner Beurteilung für das „Jein“ entschieden. Als Speck nach seiner Erkrankung und der Versetzung in den Ruhestand mit 55 Jahren nach Kassel zurückkehrte, war er literarisch nicht mehr aktiv. (zlr)